Pippi Langstrumpf in Hannover

Manchmal hat man zwangsläufig den Eindruck, das Rathaus sei die legendäre Villa Kunterbunt. Denn wie heißt doch gleich noch mal das Lebensmotto von Pippi Langstrumpf: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

Die Infragestellung der Rechtmäßigkeit des Baus des neuen Herrenhäuser Schlosses mit Mitteln der VW-Stiftung ist nämlich nicht nur unter finanziellen Aspekten relevant. Es stellt sich auch die Frage, in wie weit sich die Stadt Hannover einmal mehr eine Ausnahmegenehmigung zum Bau der Anlage ausgestellt hat. Denn schließlich liegt das Gelände im aktuellen Bereich, der im Fall eines HQ 100 neuerdings vom Land zum Überschwemmungsgebiet erklärt wurde. Wie so viele in Realisierung oder Planung befindliche Projekte entlang der Ihme, die es immer fraglicher machen, ob die Anstrengungen zur Schaffung des Calenberger Loches tatsächlich primär dem Hochwasserschutz in der aktuellen Situation dienen oder vielmehr darauf ausgelegt sind, fragwürdige Prestigeprojekte nachträglich auf eine rechtlich sichere Basis zu stellen.

Erinnern wir uns: Das neue Herrenhäuser Schloss war ursprünglich mit einer Tiefgarage konzipiert, wird jetzt allerdings mit einem gegen äußere Einflüsse abgeschotteten Konzertsaal realisiert. Der Neubau des Krankenhauses Siloah entsteht ohne Kellerräume, in denen sich normalerweise Labore befänden. Für das Gelände des ÜSTRA-Betriebshofes Glocksee wurde bei einem Workshop ein allgemein als „Schickimickibau“ bezeichnetes Bebauungskonzept erstellt. Auf dem Stichweh-Gelände entlang der Wunstorfer Straße entsteht ein neues Einzelhandelszentrum. Und ein ebensolches ist für das Gelände der ehemaligen Hautklinik am Schwarzen Bär geplant. Übrigens: Damit dort investiert werden kann, wurde diese direkt am Ufer liegende Fläche erstaunlicherweise aus dem Überschwemmungsgebiet herausgenommen.

Zweifellos, das alles bringt Geld in die chronisch klammen Kassen der Stadt. Aber es ist nur schwer nachzuvollziehen, dass ausschließlich die Bewohner der Calenberger Neustadt und des Ihmezentrums entlang der für das Calenberger Loch vorgesehenen Fläche die Zeche dafür zahlen sollen. Denn keines der geplanten Projekte hat auch nur ansatzweise eine positive Wirkung für die betroffenen Anwohner und Nutzer des Glockseeparks. Das Ihmezentrum ist ohnehin HQ100-sicher gebaut, für die Calenberger Neustadt bringt die gesamte Maßnahme nur eine zusätzliche Sicherheit von 2 cm, die ein Hochwasser höher als bisher steigen dürfte. Was gleichzeitig infrage stellt, inwieweit die bestehenden Schutzeinrichtungen im folgenden Flusslauf von Ihme und Leine dafür ausreichend sind, die wie erhofft schneller abfließenden Wassermassen zu bändigen.

Aber auch dafür wird in der Villa Kunterbunt sicher eine Lösung gefunden, koste es, was es wolle. Frei nach dem Motto: Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt.

SBiCaLo


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