Es gibt viele Betroffene

Der mit einem Artikel der Leinezeitung v. 03.11. erweckte Eindruck, die von Hannover „weitergereichten“ 300.000 Wasser m3 würden sich wie ein Schwall über Seelze hinweg bis nach Neustadt ergießen, ist nicht ganz korrekt. Vielmehr richtig ist, dass von dem Vorhaben der Stadt Hannover eine fatale Denkweise ausgeht, die als „Hydrologisches Sankt-Florian-Prinzip“ bezeichnet wird. Also dem Prinzip, die eigenen lokalen Probleme durch Vergrößerung der Hochwasserableitung auf die Unterlieger zu verlagern. Wenn Seelze als erstbetroffener Unterlieger diese egoistische Denkweise übernimmt, wäre es gut beraten, die Stöckener Straße und die Straße Seelze-Garbsen „aufzuständern“. Damit würde man das Problem weitergeben an die Straße Luthe/Schloss-Ricklingen usw.

Zu der quantitativen Aussage des NLWKN, dass (bezogen auf das Bemessungshochwasser HQ 100) nur 1 cm Wasserspiegelerhöhung zu erwarten ist, bleibt zu bedenken, dass nur schwer zu berechnen ist, wie sich die Wasserspiegel in der Leineaue und im Flussschlauch bei unterschiedlicher „Rauhigkeit“ der überströmten Flächen ausbilden. Die „Rauhigkeit“ einer landwirtschaftlich geprägten Überschwemmungsfläche ändert sich mit dem Bewuchs und damit mit der Jahreszeit. Bei Sommerhochwässern können sich somit höhere Aufstauungen ergeben als im Winter. Dieses kann in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Wenn man den Vorhersagen der Meteorologen folgt, die, durch den Klimawandel bedingt, für die Zukunft eine Häufung gerade der sommerlichen Hochwasserereignisse in Aussicht stellen. Letzteres wurde übrigens bei der Festlegung des Bemessungshochwassers nicht berücksichtigt. Bei dem Modell, auf das sich das NLWKN beruft, wurde die  „Rauhigkeit“ mit einem Parameter berücksichtigt, der einen weiten, auch subjektiv beeinflussbaren Spielraum besitzt. Insofern kann die Auswirkung der von der Stadt Hannover geplanten Verschärfung der Hochwasserdurchleitung von dem angegebenen 1 cm erheblich abweichen.

Th. Ganskow
SBiCaLo
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