HAZ vom 13.01.12 – Stadt kann mit Rodung beginnen – Keine Klage mehr zu Hochwasserplan am Ihme-Ufer

Die Gegner der Hochwasserschutzplanungen am Ihme-Ufer haben gestern ihre Klage gegen die Abgrabungspläne der Stadt zurückgezogen. Nachdem, wie gestern berichtet, das Eilverfahren gegen die geplante Rodung einer dreistelligen Zahl von Bäumen vor Gericht gescheitert war und die Stadt daher mit den Fällungen beginnen kann, sei eine weitere juristische Auseinandersetzung kaum noch sinnvoll, teilte eine der Klägerinnen mit. Zudem sei das finanzielle Risiko zu groß. In der Berufungsinstanz hätten die Kläger sich von einem Anwalt vertreten lassen müssen. „Wir haben leider keine Gelddruckmaschine im Keller“, sagte die Klägerin resigniert.

Die Stadt wollte gestern noch nicht sagen, wann die weiteren Rodungen im Abschnitt zwischen Legions- und Leinertbrücke beginnen. Beim ersten Abschnitt, als rund 100 Bäume zunächst für Altlastensanierungen gefällt wurden, hatte die Verwaltung mitten in der Nacht unter Polizeischutz das Gelände abriegeln lassen. Trotzdem war es zu Besetzungen von Bäumen gekommen. Ob dieses Mal ein ähnlicher Konflikt bevorsteht, ist unklar.

Das Überflutungsgelände der Ihme soll teilweise metertief abgegraben werden, damit der Fluss im Fall eines schweren Hochwassers mehr Ausbreitungsraum hat. Zumindest die Benno-Ohnesorg-Brücke am Schwarzen Bären verbreitert worden, um einen Engpass zu beseitigen. Auch Deiche werden erhöht. Die Initiative widersprach gestern einer Darstellung der Genehmigungsbehörden, die sich auch das Gericht zu eigen gemacht hatte, derzufolge nur Erdreich abgetragen werde, das einst zu Zwecken von Industrieansiedlungen aufgebracht worden sei. Auf alten Fotos dokumentiert die „Initiative gegen das Calenberger Loch“, das Teile des Ostufers, an dem jetzt gebaggert werden soll, schon lange die derzeitige Form habe. Neueren Datums sei vor allen das Ihme-Zentrum, das mit seiner monumentalen Uferbebauung dem Fluss Ausdehnungsfläche nehme.

Die Initiative wolle trotz der juristischen Niederlage nicht aufgeben. Man werde die Umsetzung der Hochwasserschutzpläne weiterhin „kritisch begleiten“, teilte die Klägerin mit.

Kunstwerk demontiert: An der Glockseestraße ist derweil gestern die Plastik „Große Begehbare Hannover“ des Künstlers Volker Gerlach abgebaut worden. Sie soll nach Abschluss der Grabearbeiten am gleichen Standort wieder installiert werden, allerdings erhöht und etwas anders ausgerichtet. Die 1976 als Teil des Straßenkunstprogramms installierte Edelstahlplastik wird dann auch gereinigt.

Conrad v. Meding, HAZ, 13.01.12

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